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Wärmepläne müssen lernfähig bleiben

Die kommunale Wärmeplanung ist in vielen Städten und Gemeinden dort angekommen, wo ihre Annahmen auf die Wirklichkeit treffen. 40 Prozent der 778 Kommunen, die an der neuen Befragung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende teilgenommen haben, arbeiten bereits an der Umsetzung. Zugleich hält nur knapp die Hälfte der Befragten die eigene Planung für realistisch umsetzbar; ebenso viele teilen diese Einschätzung nicht, weitere acht Prozent sehen ihre Planung als nicht umsetzbar an.

Der Befund beschreibt die Funktion eines Wärmeplans in einer jahrzehntelangen Infrastrukturtransformation. Er ordnet Wissen, macht Annahmen sichtbar und schafft eine Grundlage, auf der Kommunen Investitionen vorbereiten. Seine Qualität beweist sich daran, wie belastbar diese Annahmen sind und wie systematisch sie korrigiert werden, sobald neue Daten, Preise oder Erfahrungen vorliegen.

Der erste Plan legt die Unsicherheiten offen

Die KWW-Befragung zeigt, wie stark einzelne Annahmen die spätere Umsetzung prägen können. 44 Prozent der teilnehmenden Kommunen rechnen in ihren Szenarien mit einer Gebäudesanierungsrate von mehr als 1,5 Prozent. Bundesweit liegt die tatsächliche Rate derzeit unter einem Prozent. Für die Wärmeplanung ist diese Differenz folgenreich, weil der angenommene künftige Wärmebedarf beeinflusst, welche Netze, Erzeugungsanlagen und Anschlussdichten wirtschaftlich erscheinen.

Ähnlich konkret wird die Unsicherheit bei den vorgesehenen Energieträgern. 41 Prozent der Kommunen planen Anlagen, die Holz nutzen sollen; innerhalb dieser Gruppe können 37 Prozent auf Ressourcen aus eigenen Wäldern zurückgreifen. Wo Brennstoffe von außerhalb beschafft werden müssen, hängen Kosten und Verfügbarkeit stärker von Entwicklungen ab, die eine Kommune selbst kaum steuern kann.

Solche Zahlen entwerten die Planung nicht. Sie zeigen vielmehr, welche Voraussetzungen ein Zielszenario trägt und an welchen Stellen die Kommune später prüfen muss, ob sich die Wirklichkeit in dieselbe Richtung bewegt.

Fortschreibung ist Teil der Planungsqualität

Das Wärmeplanungsgesetz trägt diesem Problem Rechnung. Nach § 25 muss der Wärmeplan spätestens alle fünf Jahre überprüft, die Umsetzung beobachtet und der Plan bei Bedarf fortgeschrieben werden. Diese Pflicht ist mehr als eine formale Aktualisierung. Sie eröffnet die Möglichkeit, Annahmen systematisch mit dem zu vergleichen, was seit der Beschlussfassung tatsächlich geschehen ist.

Bei der Sanierungsrate lässt sich dieser Mechanismus besonders gut erkennen. 64 Prozent der befragten Kommunen setzen auf Beratungs- und Informationsangebote, 22 Prozent auf eigene Förderprogramme oder andere finanzielle Anreize. Bleibt die Sanierung dennoch deutlich hinter dem Zielszenario zurück, verändert sich die Grundlage für spätere Infrastrukturentscheidungen. Ein lernfähiger Wärmeplan macht diese Abweichung sichtbar und verarbeitet sie, bevor aus einer optimistischen Annahme eine langfristige Fehldimensionierung wird.

Umsetzung beginnt an den Schnittstellen der Verwaltung

Die Fortschreibung allein löst allerdings noch kein Umsetzungsproblem. Wärmeplanung berührt Bauleitplanung, Straßenbau, Liegenschaften, Haushaltsplanung, Energieversorger und private Investitionen. Gerade an diesen Übergängen entscheidet sich, ob die räumliche Strategie des Wärmeplans in konkrete Projekte übersetzt werden kann.

In der KWW-Befragung geben elf Prozent der Kommunen, die Wärmeplanung durchführen oder bereits umsetzen, an, aktiv in die Gebäudeplanung eingebunden zu sein. 76 Prozent wünschen sich einen besseren Überblick über die rechtlichen und planerischen Verknüpfungen zwischen Wärmeplanung und Bauplanungsrecht. Der Befund verweist auf eine institutionelle Aufgabe: Informationen aus dem Wärmeplan müssen dort verfügbar sein, wo andere kommunale Entscheidungen vorbereitet werden.

Für Kommunen bedeutet das, Zuständigkeiten und Rückkopplungen früh festzulegen. Wenn eine Straße ohnehin erneuert wird, ein Neubaugebiet geplant ist oder ein kommunales Gebäude saniert werden soll, können diese Vorhaben neue Daten liefern und zugleich Gelegenheiten für die Wärmewende eröffnen. Der Wärmeplan wird dadurch Teil des normalen Verwaltungshandelns.

Verlässlichkeit entsteht durch erklärte Änderungen

Gegen eine fortlaufende Anpassung spricht ein berechtigtes Interesse an Stabilität. Hauseigentümer, Unternehmen und Energieversorger treffen Investitionsentscheidungen mit langen Laufzeiten. Wenn räumliche Aussagen oder technische Optionen häufig wechseln, kann das Vertrauen in die kommunale Orientierung sinken.

Lernfähigkeit verlangt deshalb nachvollziehbare Regeln. Strategische Ziele und bereits belastbar begründete Entscheidungen brauchen Kontinuität; Annahmen, deren Grundlage sich verändert hat, müssen überprüfbar aktualisiert werden. Für die Öffentlichkeit sollte erkennbar sein, was sich geändert hat, welche neuen Erkenntnisse dafür ausschlaggebend waren und welche Folgen daraus entstehen.

Eine solche Fortschreibung schwächt die Verlässlichkeit des Plans nicht zwangsläufig. Sie kann sie erhöhen, weil die Kommune sichtbar zwischen langfristiger Orientierung und veränderlichen Annahmen unterscheidet.

Der Wärmeplan wird zum kommunalen Lernsystem

Dass sich der Anteil der an der KWW-Befragung teilnehmenden Kommunen in der Umsetzungsphase gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat, verschiebt den Schwerpunkt der Debatte. Mit jedem realisierten Netzabschnitt, jeder Gebäudesanierung und jeder veränderten Energiepreisannahme wächst das Wissen darüber, welche Teile des ursprünglichen Szenarios tragen.

Für die kommunale Wärmeplanung liegt darin eine zweite Aufgabe neben der räumlichen Orientierung. Sie muss Erfahrungen aus der Umsetzung zurück in die Planung führen. Ein Wärmeplan, der seine Annahmen dokumentiert, überprüft und begründet fortschreibt, kann über Jahre präziser werden, während ein statisches Dokument mit jeder Veränderung seiner Ausgangsbedingungen an Aussagekraft verliert.

Die nächste Phase der Wärmewende wird deshalb auch daran zu erkennen sein, wie Kommunen mit Abweichungen umgehen. Wo neue Erkenntnisse systematisch in Entscheidungen einfließen, entsteht aus dem ersten Plan eine dauerhafte kommunale Arbeitsgrundlage.

Quellen

KWW / dena, 17. September 2026 · https://www.kww-halle.de/presse/mitteilung/befragung-zeigt-geteiltes-bild-bei-der-einschaetzung-der-waermeplanung-potenzial-liegt-in-fortschreibung

Wärmeplanungsgesetz § 25 · https://www.gesetze-im-internet.de/wpg/__25.html

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