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Wir machen Städte erst sicher, wenn wir Hitze zur Routineaufgabe machen

Mehr als fünfzig Mitgliedsstädte des Deutschen Städtetages haben dokumentiert, was sie gegen Hitze tun – Sensornetzwerke, Tiny Forests, begrünte Sonnensegel, verbindliche Klimagestaltungssatzungen. Das Spektrum ist beeindruckend, und es ist aufschlussreich, denn die Bandbreite macht zugleich sichtbar, was Kommunen leisten können und wie ungleich verteilt dieses Leisten noch ist.

Karlsruhe hat knapp einhundert Klimasensoren über alle Stadtteile verteilt, die alle zehn Minuten Temperatur, Luftfeuchte und Sonnenstrahlung erfassen und auf einer interaktiven Karte sichtbar machen, sodass kleinräumige Unterschiede im Stadtklima, die vorher nur aus Modellen ablesbar waren, für die kommunale Planung direkt nutzbar werden. Göttingen hat einen Stadtwasserhitzeplan erarbeitet, der Hitze- und Starkregen-Hotspots systematisch verortet und klimatisch wertvolle Flächen kartiert, womit Anpassungsmaßnahmen vergleichbar und priorisierbar werden. Frankfurt hat mit seiner Gestaltungssatzung Freiraum und Klima klimaangepasste Gestaltung bei Neu- und Umbauten zur Pflicht gemacht, weil viel Grün gegen Überwärmung ebenso schützt wie gegen Starkregenüberflutung, und weil dieser Schutz, so die Grundüberlegung der Stadt, nicht vom Wohlwollen einzelner Bauherrinnen abhängen darf.

Das sind keine Sonderprojekte unter außergewöhnlichen Bedingungen. Das sind Planungsentscheidungen, die sich im Stadtgefüge verankern und über Jahrzehnte Wirkung entfalten, insofern sie in Bebauungsplänen, Förderprogrammen und Vergabestandards nachhallen.

Einfallsreich unter engen Bedingungen

Hannover pflanzt in Vahrenwald, einem der wärmebelastetsten Stadtteile, einen Tiny Forest nach der Methode des japanischen Ökologen Akira Miyawaki, bei der auf eineinhalbtausend Quadratmetern ein dichtes, artenreiches und mehrschichtiges Wäldchen entsteht, das durch den hohen Konkurrenzdruck zwischen den Pflanzen rasch wächst und kühlt. Iserlohn hat das erste begrünte Sonnensegel Deutschlands im öffentlichen Raum installiert, das ohne Bodenfundamente auskommt, weil Kletterpflanzen aus Pflanzenkübeln ein Stahlnetz bespannen und so eine achtzig Quadratmeter große Schattenfläche bilden. Wittenberg setzt sogenannte CityTrees mit Moosmodulen ein, deren Kühlleistung laut Hersteller der von einhundertsechzig neu gepflanzten Bäumen entsprechen soll. München hat seine Karte kühler Orte um eine dreidimensionale Schattenfunktion erweitert, sodass schattige Routen zu verschiedenen Tageszeiten berechenbar werden.

Diese Maßnahmen zeigen, dass Hitzeschutz kein Randthema mehr ist, das von engagierten Klimamanager:innen am Rande ihrer übrigen Aufgaben bearbeitet wird. Zugleich macht die Zusammenschau sichtbar, dass zwischen den Städten erhebliche Unterschiede bestehen, wenngleich nicht in der Motivation, wohl aber in den Ressourcen und in der strategischen Tiefe dessen, was tatsächlich umgesetzt wird.

Maßnahme ist nicht Strategie

Darmstadt kartiert die Wärmebelastung im Stadtgebiet in Echtzeit mit einer Live-Wärmekarte, die eine sechstägige Vorhersage einschließt, sodass Bürgerinnen und Bürger sich bereits präventiv durch das Stadtgebiet navigieren können. Gleichzeitig gibt es andernorts Faltpläne mit Schattenplätzen und Verhaltenstipps für Hitzetage. Beides ist sinnvoll, beides hilft, und beides ist nicht dasselbe. Die entscheidende Unterscheidung verläuft zwischen reaktiv und strukturell, zwischen dem, was eine Hitzewelle erträglich macht, und dem, was das Stadtklima dauerhaft verändert.

Bremen investiert in den klimaangepassten Umbau der Dechanatstraße nach den Prinzipien der Schwammstadt, mit angepasster Regenwasserversickerung, Entsiegelung und natürlichen Schattenelementen, gefördert über das Bundesprogramm ZIZ. Dortmund arbeitet im Verbund mit der Ruhr-Universität Bochum und der Leibniz Universität Hannover an einem Forschungsprojekt zur Hitzeresilienz, bei dem Anwohnerinnen und Anwohner aktiv in die Entwicklung von Lösungen einbezogen werden. Das sind Vorhaben, die das Stadtgefüge selbst verändern, obgleich sie strukturell aufwändiger sind als ein Trinkbrunnen oder eine Klima-Kiste in der Fußgängerzone.

Für Kommunen, die jetzt überlegen, wo sie anfangen sollen, liegt der Wert dieser Best-Practice-Sammlung weniger in den Einzelmaßnahmen als in der Erkenntnis, dass beides gleichzeitig möglich ist: kurzfristige, kostengünstige Sofortmaßnahmen, die in der nächsten Hitzewelle sofort helfen, und langfristige Investitionen, die Hitzeschutz strukturell verankern. Die Liste der Städte, die mittlerweile eigene Hitzeaktionspläne verabschiedet haben, reicht von Ansbach bis Zweibrücken. Ein Hitzeaktionsplan ist aber eine Willenserklärung, keine Garantie. Was nach dem Beschluss kommt, die Umsetzungsentscheidungen, die Ressourcenpriorisierung, die Frage, welche Maßnahmen unter welchen Haushaltsbedingungen realisierbar sind, das entscheidet, ob der Plan eine Grundlage wird oder ein Dokument bleibt.

Vor dem Hintergrund kommunaler Haushalte im Rekorddefizit ist die Frage, welche Maßnahmen sich auch ohne freie Mittel umsetzen lassen, keine theoretische. Sensornetzwerke und Schwammstadtstraßen setzen Investitionen voraus; begrünte Sonnensegel und Tiny Forests brauchen Planungskapazität und Kofinanzierung; selbst Förderprogramme erfordern kommunale Eigenanteile, die manche Kämmerei gerade schlicht nicht aufbringen kann. Das macht die Kreativität der Städte auf dieser Seite umso lesenswerter. Und es macht die Frage drängender, welche dieser Maßnahmen sich übertragen und skalieren lassen, ohne dass jede Stadt das Rad neu erfinden muss.

Sie planen Hitzeschutzmaßnahmen für Ihre Kommune oder entwickeln einen Hitzeaktionsplan und möchten wissen, welche Maßnahmen unter Ihren konkreten Bedingungen realisierbar sind? Nehmen Sie Kontakt auf und lassen Sie uns gemeinsam schauen, was möglich ist.

Quelle: Deutscher Städtetag – Best Practice: Hitzeschutz und Hitzevorsorge in den Städten

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