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Die Straße unter der Straße

Die östliche Tullastraße in Freiburg ist ein Beispiel für einen Eingriff, den viele Städte kennen. Fahrbahn, Gehwege und Radwege sind beschädigt, unter dem Asphalt müssen Kanäle und Versorgungsleitungen erneuert werden. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Sanierungsfall aussieht, eröffnet eine planerische Entscheidung von ungewöhnlicher Tragweite. Wenn eine Straße ohnehin über Jahre umgebaut wird, lässt sich auch ihre Eignung für heißere Sommer verändern.

Der Umbau beginnt im Untergrund

Die Stadt kündigte am 3. August 2026 eine abgestimmte Abfolge von Arbeiten an. Kanalsanierung, Fernwärmeausbau und die Neugestaltung des öffentlichen Straßenraums sollen aufeinander folgen, damit die Fahrbahn nicht mehrfach geöffnet werden muss. Die Hauptarbeiten sind ab dem 20. Oktober 2026 vorgesehen; der Gesamtabschluss ist für Herbst 2028 geplant. Das ist eine Ankündigung über den Ablauf, kein Bericht über bereits erreichte Klimawirkungen. Die lange Bauphase zeigt zugleich, wie viele Akteure und technische Abhängigkeiten bei einer einzigen Straße zusammenkommen.

140 Quadratmeter als planerische Entscheidung

Auf der Südseite sollen knapp 140 Quadratmeter Asphalt entsiegelt und sieben zusätzliche Stadtbäume gepflanzt werden. Ihr künftiger Schatten kann die Aufenthaltsqualität verbessern. Wie stark die Straße tatsächlich abkühlt, lässt sich aus diesen Angaben allein nicht ableiten. Dafür wären unter anderem Baumarten, Kronenentwicklung, Standortbedingungen und Pflege entscheidend. Der Wert des Vorhabens liegt zunächst in der Verankerung von Grünflächen in einem ohnehin notwendigen Infrastrukturprojekt. Damit werden Flächenansprüche schon jetzt berücksichtigt, die später kaum ohne erneute Eingriffe zu sichern wären.

Der öffentliche Raum bleibt umkämpft

Die Stadt will Geh- und Radwege sicherer gestalten und Bushaltestellen barrierefrei ausbauen. Zugleich entfällt das Parken auf der Südseite. Freiburg begründet das mit den erforderlichen Sicherheitsabständen für den Radverkehr und dem Erhalt der Bäume auf der Nordseite. Diese Entscheidung zeigt, dass Klimaanpassung im Bestand keine folgenlose Ergänzung ist. Der Straßenraum ist begrenzt; jede Umgestaltung verändert, wer ihn auf welche Weise nutzen kann. Die politische Aufgabe besteht darin, die Abwägung nachvollziehbar zu machen und die langfristige Nutzbarkeit höher zu gewichten als kurzfristige Bequemlichkeit.

Was andere Kommunen daraus lernen können

Für Städte mit engem Haushalt ist die Verbindung von ohnehin anstehenden Tiefbauarbeiten und Klimaanpassung besonders interessant. Sie kann zusätzliche Baustellen vermeiden und eröffnet die Möglichkeit, Flächen, Wurzelräume und Verkehrsführung gemeinsam zu planen. Allerdings entstehen daraus keine automatischen Einsparungen. Grün braucht dauerhaft Pflege und Wasser; eine sichere Verkehrsführung muss auch während der Bauzeit gewährleistet bleiben. Die entscheidende Frage ist deshalb, ob Kommunen frühzeitig über Fachämter und Versorger hinweg planen und Folgekosten berücksichtigen. Die Tullastraße zeigt, wo diese Entscheidung fällt: lange bevor der erste neue Baum Schatten spendet.

Quellen

Stadt Freiburg, Pressemitteilung vom 03.08.2026: https://www.freiburg.de/pb/2632668.html

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