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KI-Kompetenz wird zur kommunalen Infrastruktur

Fast 18.000 Menschen haben seit Oktober 2025 den Regensburger KI-Führerschein besucht. Das Angebot dauert rund zwanzig Minuten, funktioniert ohne Anmeldung im Browser und führt in sechs interaktiven Stationen durch ein Thema, das für viele Menschen zugleich alltäglich und schwer durchschaubar geworden ist. Rund 60 Prozent derjenigen, die den Lernpfad beginnen, schließen ihn ab. Die Zahlen stammen aus einem CDO-Forum des Smart City Dialogs vom 16. September 2026, bei dem Regensburg sein Konzept kommunalen Digitalisierungsverantwortlichen aus ganz Deutschland vorgestellt hat. Hinter dem vergleichsweise kleinen Bildungsangebot steckt eine größere kommunale Frage. Städte führen selbst KI-Anwendungen ein, digitalisieren Dienstleistungen und treffen Entscheidungen über Daten und Automatisierung. Damit wächst ihre Verantwortung, den Bürgerinnen und Bürgern eine informierte Teilnahme an dieser Entwicklung zu ermöglichen.

Digitale Teilhabe braucht ein Verständnis der Werkzeuge

Kommunale Digitalisierung wird häufig über Anwendungen beschrieben. Ein neuer Online-Dienst, ein Chatbot oder eine datenbasierte Steuerung ist sichtbar und lässt sich als Projekt abgrenzen. Für die Stadtgesellschaft entsteht der Nutzen solcher Angebote jedoch erst, wenn Menschen einschätzen können, was ein System leistet, wo seine Grenzen liegen und welche Folgen der Umgang mit eigenen Daten haben kann.

Regensburg setzt an dieser Schwelle an. Der KI-Führerschein richtet sich bewusst an eine breite Zielgruppe und verzichtet auf Zugangshürden wie Registrierung oder lange Kurse. Lokale Orte, Visualisierungen und Persönlichkeiten sollen abstrakte Fragen greifbar machen. Die Kommune erscheint dabei als Absenderin eines Lernangebots, dessen Zweck über die Bedienung einer einzelnen Anwendung hinausreicht.

Diese Rolle passt zu einem Smart-City-Verständnis, das digitale Technik mit Teilhabe verbindet. Auch Net Positive Cities beschreibt Smart City als Verbindung technologischer Möglichkeiten mit nachhaltiger Stadtentwicklung und gesellschaftlicher Beteiligung. KI-Kompetenz erweitert diesen Gedanken um eine Voraussetzung, die mit der Verbreitung generativer und automatisierter Systeme an Bedeutung gewinnt.

Der lokale Bezug ist Teil der Didaktik

Der Regensburger Ansatz zeigt, weshalb ein kommunales Lernangebot mehr leisten kann als eine allgemeine Einführung in künstliche Intelligenz. Wer Beispiele aus der eigenen Stadt erkennt, kann technische Begriffe leichter mit Situationen verbinden, in denen digitale Systeme tatsächlich auf den Alltag treffen. Aus einem abstrakten Modell wird eine Frage danach, wie Verwaltung, Mobilität, Kultur oder lokale Unternehmen KI einsetzen.

Gerade diese Übersetzung erklärt einen Teil des Aufwands. Nach Angaben des Projektteams lag die größte Hürde bei Zielgruppendefinition, Didaktik, Inhalten und der Einbindung beteiligter Akteure. Auch Reichweite musste organisiert werden. Regensburg arbeitete dafür unter anderem mit der TechBase, dem Theater und regionalen Unternehmen zusammen.

Kommunale KI-Bildung ist damit eine redaktionelle und organisatorische Leistung mit technischer Grundlage. Sie verlangt Auswahl, Erklärung und lokale Anschlussfähigkeit. Ein technisch sauberer Lernpfad erreicht wenig, wenn niemand weiß, warum er für den eigenen Alltag relevant ist.

Offener Code löst die Transferfrage nur teilweise

Für andere Städte ist der Regensburger KI-Führerschein auf den ersten Blick leicht übertragbar. Der Quellcode liegt auf openCode, Plattform und didaktisches Grundkonzept können übernommen werden. Das Projektteam weist zugleich darauf hin, dass lokale Inhalte und regionale Anwendungsfälle neu entwickelt werden müssen und kommunikative Ressourcen für die Bekanntmachung einzuplanen sind.

Diese Einschränkung ist für kommunale Innovation zentral. Übertragbarkeit wird bei digitalen Projekten gern mit technischer Nachnutzbarkeit gleichgesetzt. Der Code senkt die Einstiegskosten, doch die Wirkung entsteht in einem sozialen Kontext, der sich von Stadt zu Stadt unterscheidet. Zielgruppen, vertrauenswürdige Partner, bekannte Orte und aktuelle Konflikte lassen sich nicht aus einem Repository importieren.

Die interessante Skalierung liegt deshalb in einer geteilten Grundstruktur mit lokaler Redaktion. Kommunen können Entwicklungskosten sparen und zugleich die Beispiele an ihre Stadtgesellschaft anpassen. Für Förderprogramme und kommunale Netzwerke ergibt sich daraus ein praktischer Maßstab für Nachnutzung. Erfolgreicher Transfer umfasst Technik, Inhalte, Kommunikation und Zuständigkeiten.

Die Kommune muss ihre Rolle begrenzen

Es gibt einen guten Einwand gegen eine immer breitere kommunale Bildungsrolle. Schulen, Volkshochschulen, Bibliotheken, Hochschulen und private Anbieter vermitteln bereits digitale Kompetenzen. Eine Stadtverwaltung verfügt weder über unbegrenzte Ressourcen noch über den Auftrag, jedes neue Technologiethema mit einem eigenen Lernprogramm zu begleiten.

Gerade deshalb braucht kommunale KI-Bildung einen klaren Bezug zur örtlichen Transformation. Sinnvoll wird sie dort, wo die Kommune selbst digitale Systeme einführt, lokale Anwendungen erklären muss oder Bevölkerungsgruppen erreichen möchte, die von kommerziellen Weiterbildungsangeboten kaum angesprochen werden. Partnerschaften mit bestehenden Bildungsträgern können Reichweite und fachliche Qualität erhöhen, ohne Parallelstrukturen aufzubauen.

Der europäische AI Act verstärkt die institutionelle Dimension. Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten und anderer für sie handelnder Personen zu unterstützen. Die Europäische Kommission führt inzwischen mehr als 40 Praxisbeispiele aus Unternehmen und öffentlichem Sektor. Für die allgemeine Bevölkerung begründet diese Vorschrift keine individuelle Kompetenzpflicht. Sie zeigt jedoch, dass KI-Kompetenz zunehmend als Voraussetzung verantwortlicher Anwendung behandelt wird.

Aus einem Lernangebot wird Vertrauensarbeit

Kommunen werden in den kommenden Jahren häufiger erklären müssen, warum sie KI einsetzen, welche Daten dabei verarbeitet werden und wo menschliche Verantwortung verbleibt. Solche Erklärungen sind glaubwürdiger, wenn sie auf eine Stadtgesellschaft treffen, die Grundbegriffe, Möglichkeiten und Risiken einordnen kann. Ein zwanzigminütiger Lernpfad schafft diese Kompetenz allein nicht, kann aber eine niedrige Schwelle für den Einstieg bilden.

Regensburg plant bereits, das didaktische Prinzip auch für das Thema Nachhaltigkeit zu nutzen. Darin liegt eine zweite Lehre des Projekts. Dauerhaft wertvoll ist die kommunale Fähigkeit, komplexe Transformation verständlich, lokal und zugänglich zu vermitteln; der einzelne KI-Kurs ist dafür ein konkreter Anwendungsfall.

Je stärker digitale Systeme in Verwaltung und öffentlichen Raum eingreifen, desto wichtiger wird diese Vermittlungsarbeit für die Legitimität kommunaler Innovation. Technische Nachnutzung kann Städte schneller machen. Vertrauen entsteht dort, wo Menschen verstehen können, was sich in ihrer Stadt verändert und welche Rolle sie dabei selbst haben.

Quellen

Smart City Dialog, 17. September 2026
https://www.smart-city-dialog.de/aktuelles/news/cdo-forum-ki-kompetenz-fuer-die-stadtgesellschaft

Europäische Kommission, AI literacy – Questions & Answers, Stand September 2026
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/ai-literacy-questions-answers

Europäische Kommission, Repository of AI literacy practices, Stand September 2026
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/repository-ai-literacy-practices

Net Positive Cities, Themen – Smart City
https://netpositivecities.eu/themen/

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