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Regenwasser gehört in die Stadt, nicht in den Kanal

Hitzeperioden und längere Trockenphasen machen Regenwasser zu einer kommunalen Ressource, die vielerorts noch ungenutzt abfließt. Ein neues Forschungsprojekt untersucht deshalb, wie öffentliche Speicher wie sogenannte Gehweg-Regentonnen Städte bei Bewässerung, Kühlung und Klimaanpassung unterstützen können.

Die Frage reicht dabei deutlich über die Anschaffung einzelner Behälter hinaus. Sie berührt Zuständigkeiten, rechtliche Vorgaben, Finanzierung und die Fähigkeit einer Kommune, Wasser strategisch zu steuern.

Die Tonne ist sichtbar, die Aufgabe dahinter nicht

Regenwasser fällt vor Ort an, wird vielerorts jedoch weiterhin möglichst schnell über die Kanalisation abgeführt. In einer Stadt, die häufiger unter Hitze und Trockenheit leidet, verliert dieses Muster an Plausibilität. Grünflächen und Straßenbäume benötigen genau dann Wasser, wenn natürliche Niederschläge ausbleiben.

Dezentrale Speicher können Regenwasser auffangen und für die Bewässerung öffentlicher Vegetation verfügbar halten. Sie können außerdem zur Kühlung des Stadtraums beitragen oder in geeigneten Gebäuden genutzt werden. Damit verbinden sie wasserwirtschaftliche Vorsorge mit einer sichtbaren Veränderung im Alltag der Stadtgesellschaft.

Das Deutsche Institut für Urbanistik untersucht im Projekt „Ab in die Tonne“ die organisatorischen, rechtlichen, finanziellen und technischen Voraussetzungen solcher Speicher. Die Laufzeit reicht von Juni 2026 bis März 2027. Eine Literatur- und Dokumentenanalyse, Gespräche mit kommunalen Vorreiterinnen und Vorreitern sowie ein Fokusgruppengespräch sollen daraus übertragbare Empfehlungen für die Praxis entwickeln.

Im Mittelpunkt steht deshalb kein einzelnes Produkt, sondern die Rolle öffentlicher Regenwasserspeicher innerhalb kommunaler Klimaanpassungs- und Wasserstrategien. Technische Lösungen ohne klare Zuständigkeit werden schnell zu Einzelprojekten, deren Betrieb niemand dauerhaft verantwortet.

Kommunen brauchen eine Betriebslogik

Eine Stadtverwaltung muss zunächst klären, welche Flächen und Bäume besonders unter Trockenstress leiden, wo Dach- oder Straßenwasser verfügbar ist und welche Speicher an diesen Orten sinnvoll betrieben werden können. Danach folgen Fragen, die in Konzepten häufig zu spät auftauchen: Wer kontrolliert die Behälter, wer organisiert die Bewässerung, wer haftet bei Schäden und wie funktioniert die Reinigung?

Auch Unternehmen werden in dieser Struktur relevant. Garten- und Landschaftsbaubetriebe, Wohnungsunternehmen, Gebäudeeigentümer oder lokale Dienstleister können Speicher betreiben, Wasser verteilen oder Wartungsleistungen übernehmen. Eine Kommune muss dafür allerdings ein verlässliches Regelwerk formulieren, damit Kooperationen nicht von einzelnen engagierten Personen abhängen.

Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen entscheiden mit darüber, ob aus einem Pilotversuch eine tragfähige Praxis entsteht. Beschaffung, Verkehrssicherheit, Hygiene, Grundstücksnutzung und dauerhafte Betriebskosten benötigen früh eine gemeinsame Prüfung durch Umweltamt, Tiefbau, Grünflächenpflege, Rechtsamt und Kämmerei.

Fortgeschrittene Kommunen sollten Regenwasserspeicher deshalb in bestehende Klimaanpassungs- und Wasserstrategien einordnen. Eine Karte potenzieller Speicherorte, ein klarer Pflegeprozess und wenige belastbare Kennzahlen sind dafür zunächst wertvoller als eine große Zahl verstreuter Einzelanlagen.

Eine Gehweg-Tonne allein löst keine Wasserstrategie

Regenwassernutzung scheitert selten an fehlender Technik. Sie scheitert häufiger daran, dass Verwaltungen Wasser noch entlang alter Zuständigkeitsgrenzen organisieren, während die klimatische Realität diese Trennung längst infrage stellt.

Eine einzelne Tonne verändert noch keine Wasserstrategie. Aber sie macht sichtbar, ob eine Stadt Regenwasser als Abfallstrom behandelt oder als Teil ihrer öffentlichen Infrastruktur. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie viele Tonnen eine Kommune aufstellt. Sie lautet, ob daraus ein belastbares System wird, das Pflege, Finanzierung und Verantwortung über Wahlperioden und Projektförderungen hinaus trägt.

Was bedeutet Schwammstadt

Eine Schwammstadt speichert Regenwasser möglichst dort, wo es fällt, und gibt es zeitversetzt an Pflanzen, Böden oder Gebäude weiter. Das entlastet die Kanalisation und stärkt die Anpassung an Hitze, Trockenheit und Starkregen.

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Quelle: Deutsches Institut für Urbanistik, Projekt „Ab in die Tonne“

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